
Tipps und Hilfsmittel zur Bewerbung finden Sie in den Kapiteln für Alleinerziehende unter Bewerben und Vorstellen
Neue Anforderungen der Arbeitswelt
Das Arbeitsleben ist nüchterner geworden. Die persönliche Identifikation mit Arbeit, aber auch die Identifikation mit der Firma ist nicht mehr so hoch. Früher lernte man den Beruf fürs Leben und blieb seiner Firma über viele Jahre treu. Heute betonen Fachleute in erster Linie die Wichtigkeit einer Grundausbildung als Basis für den Berufseinstieg. Was später folgt, muss man sich im Sinne eines Lebensunternehmers zusammensuchen, seine Berufskenntnisse mit Weiterbildungen und Zusatzausbildungen ständig erweitern. Der Arbeitsmarkt ist eng, die Laufbahn zunehmend wechselvoll und auch Phasen der Erwerbslosigkeit gehören in die moderne Arbeitsbiographie. Die Firmen garantieren keine Arbeitsplätze mehr fürs Leben, verlangen von den Mitarbeitenden Mobilität, Flexibilität, laufende Erweiterung ihrer Kompetenzen und die Fähigkeit, sich immer wieder neu auszurichten.
Alleinerziehende mit schlechten Karten
Diese Entwicklungen wirken sich für Alleinerziehende nachteilig aus. Bedingt durch Familienpause(n) haben sie Unterbrüche in ihrem Erwerbsleben. Sie verfügen somit über weniger Berufserfahrung als andere, haben in der Regel weniger Weiterbildungen absolviert und ihre beruflichen Kenntnisse nicht laufend erweitert. Dem Wunsch der Wirtschaft nach Mobilität, Flexibilität können sie situationsbedingt nicht im gewünschten Mass entsprechen, ebenso wenig der Forderung, sich beruflich ständig neu auszurichten. Auf dem Stellenmarkt haben Alleinerziehende daher schlechte Karten. Zumal sich Personalverantwortliche immer noch schwer tun, ausserberufliche, unentgeltliche oder ehrenamtliche Tätigkeiten in berufliche Qualifikationsprofile einzubinden und bei der Stellenbesetzung zu berücksichtigen. Alleinerziehende Frauen gelten bei Arbeitgebern oft als Risikofrauen. Die Angst, dass sie wegen kranken Kindern der Arbeit öfter fern bleiben könnten, ist sehr stark verbreitet.
Eine weitere Schwierigkeit bei der Stellensuche: Alleinerziehende sind auf qualifizierte Teilzeitstellen angewiesen. Stellen, die ihnen mit wenig Aufwand ermöglichen, die Existenz der Familie zu sichern. Der Arbeitsmarkt bietet jedoch zu wenig solcher Teilzeitstellen an.
Wenig Raum für eigene Wünsche
Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten lassen Alleinerziehenden wenig bis gar keinen Raum für berufliche Wünsche und Träume. An erster Stelle steht klar die Notwendigkeit, durch den Job Geld zu verdienen und die Existenz der Familie sichern zu können. Dieser Notwendigkeit muss meist alles andere untergeordnet werden.