
Familie und Beruf zu vereinbaren, ist auch heute noch eine schwierige Aufgabe. In ganz besonderem Mass trifft dies auf Alleinerziehende zu, die eine ausserordentlich komplexe und anspruchsvolle Aufgabe zu erfüllen haben: In Einelternfamilien sind sie als einzige Person für sämtliche anfallenden Aufgaben zuständig, bestreiten den finanziellen Unterhalt, die Betreuung und Erziehung der Kinder sowie die Führung des Haushaltes weitgehend selber und vertreten ihre Familie gegen aussen. Dies und die ungünstigen Rahmenbedingungen führen zu erheblichen Mehrfachbelastungen, Zeit- und finanzieller Not (Einelternfamilien sind am stärksten von Armut betroffen!) - Probleme, die oft auch gesundheitliche Belastungen und Schuldgefühle gegenüber den Kindern nach sich ziehen.
Alleinerziehende sind die Haupternährer/innen ihrer Familie. Wiedereinstieg oder berufliche Neuorientierung sind für sie deshalb eine Frage der materiellen Existenz. Gerade allein erziehende Frauen haben aber beruflich oft schlechte Karten: Aufgrund der Familienpflichten konnten sich viele nicht ihren Wünschen entsprechend weiterbilden oder haben infolge von Familienpause(n) Erwerbsunterbrüche. Bei der Integration ins Berufsleben wirkt sich dies dann oft nachteilig aus. Zeitlicher und finanzieller Druck, mangelndes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle und Mehrfachbelastung entmutigen und drängen den Wunsch nach Selbstverwirklichung in den Hintergrund. Alleinerziehende Frauen gehen daher die Auseinandersetzung mit sich und der beruflichen Situation oft zu spät oder gar nicht an. Dies ist sehr bedauerlich, denn viele von ihnen haben bewegte Lebensläufe und einen entsprechend grossen Erfahrungsreichtum, also beste Voraussetzungen, um umfassende und nachhaltige Berufslösungen anzugehen.